C.M.B.S. | Personalentscheidungen als Erfolgsfaktor zur Zukunftssicherung
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Jeder hat die Mitarbeiter, die er verdient!

Welche Rolle das Entwicklungspotential der Bewerber bei Personalentscheidungen spielt.

Wie vorausschauend ist die Personalpolitik in deutschen Unternehmen? Und wie vorausschauend werden Einstellungsgespräche geführt?

Um eines vorweg zu nehmen: Es gibt keine eindeutige Antwort, da auch hier eine breite Vielfalt der Ausprägungen vorkommt. Was allerdings auffällt – das mag an der größeren Lautstärke des Wehklagens liegen – sind die negativen Äußerungen über Mitarbeitereignungen: „Die Qualität der Bewerber ist grottig.“ „Von den Mitarbeitern, die wir haben, kriegen nur die Wenigsten was auf die Reihe.“ „Dauernd muss ich kontrollieren und nachbessern.“

So exemplarisch ein paar Äußerungen, die ich auch in Führungskräftetrainings und -coachings höre. Wenn ich dann nachfrage: „Sie sind mit Ihren Mitarbeitern also unzufrieden?“ bekomme ich Antworten wie: „Ich bin stinkwütend. Dauernd muss ich die Sachen grade richten. Die sind einfach nur unfähig.“ oder „Ich bin maßlos enttäuscht. Die denken nur an ihre Freizeit. Oft gefährden sie vereinbarte Termine.“ „Denen erkläre ich tausendmal etwas und immer wieder die gleichen Fehler. So blöd kann doch keiner sein. Die wollen einfach nicht.“

Personalentscheidungen Quelle: depositphotos.com

Sie kennen das? Nun dann weiß ich nicht, ob ich Ihnen das Weiterlesen empfehlen soll. Es könnte schmerzhaft werden.

Meine Frage: „Wer bitte hat denn diese Unfähigen alle eingestellt?“ führt meist zu fassungslosem Anstarren und wilden Rechtfertigungen. „Das konnte ich doch nicht ahnen, dass das solche Pfeifen sind.“ oder „Da draußen ist ja nichts Brauchbares mehr zu bekommen. Irgendwie muss es ja laufen.“

Erstaunlicherweise finden sich auf Veranstaltungen und Kongressen auch immer diejenigen zusammen, die ins gleiche Gejammer und Wehklagen einstimmen, die Schuld den Umständen geben und sich weiter in ihrer Sichtweise bestätigen. Wieso nur, kommt mir dabei immer das Bild von dem Ententeich in den Sinn?

Dabei gibt es Unternehmen, die es schaffen die Topleute anzuziehen. Die brauchen oftmals gar nicht viel eigene Werbung. Die Leute wollen dort arbeiten, die sind engagiert und lernbegierig. Auch die Führungskräfte haben einen anderen Blick und eine andere Haltung. - Ente und Adler, da war doch mal was. - Diese Firmen sind Hidden-Champions, Marktführer und nicht selten ausgezeichnet unter den mitarbeiterorientiertesten Unternehmen.

Was machen diese Unternehmen anders?
Wenn ich Führungskräfte danach fragen, was ihre wichtigsten Aufgaben sind, damit das Unternehmen erfolgreich sein kann, bekomme ich meist Antworten wie: „Unsere Ziele erreichen.“ „Für Wachstum sorgen.“ „Neue Märkte erschließen.“ „Für Aufträge sorgen.“ Eher selten höre ich bei den ersten Antworten: „Meine Mitarbeiter entwickeln.“ Und noch seltener: „Die richtigen Mitarbeiter einstellen.“ „Für die passenden Arbeitsbedingungen sorgen.“ und „In meine eigene Entwicklung investieren.“ Damit haben wir schon einiges davon, was die Gestalter von den Opfern unterscheidet. Oder ob Adler oder Ente hier tätig ist.

Denn, was nützen eine geniale Strategie und hochfliegende Ziele, wenn niemand da ist, der sie umsetzen kann. Rahmenbedingungen schaffen und eine vorausschauende Personalauswahl sind die weitreichendsten Entscheidungen, die Sie treffen können. Leider ist dieser Zusammenhang im Management viel zu selten bewusst. Er erfordert auch viel mehr Tatkraft statt Aktionismus.

Dabei sind nicht die aktuellen Fähigkeiten des Bewerbers ausschlaggebend, die Frage „Was kann der Bewerber, die Bewerberin?“ und „Reicht das für die aktuelle Position?“. Viel wichtiger ist die Frage nach dem Potential. „Wozu ist er oder sie im Stande?“ „Welche Entwicklungs-möglichkeit und -bereitschaft liegen in der Person?“ Fachwissen ist schnell überholt, entscheidend ist es die Ausprägungen der Persönlichkeit richtig einzuschätzen. Schnell wird ein heute zum Arbeitsplatz passender Kandidat zur Fehlbesetzung, wenn sich die Anforderungen verändern. Und das soll heute ja schneller gehen, als uns manchmal lieb ist.

Und auch da bestätigt sich wieder: Starke Führungskräfte suchen sich starke Mitarbeiter. Durchschnittliche Führungskräfte wählen schwache Mitarbeiter. Und unerfahrene Führungskräfte vertrauen manchmal auf falsche Vorbilder.

Personalentscheidungen Quelle: depositphotos.com

Ich habe ja gesagt: Es kann schmerzhaft werden. Und doch ist es ein notwendiger Prozess, sich selber einzugestehen, dass viele Personalprobleme der Gegenwart auf Einstellungsfehler der Vergangenheit zurückgehen. Auf Fehler, die man, sofern nicht eine vorgegebene Belegschaft übernommen wurde, oftmals auch noch selber begangen hat. Doch Lernen und Veränderung aus Schmerz ist ja nicht so selten und immer besser als ignorieren und beharren. Im Coaching ist dies ein häufiges Thema. Es geht ja auch darum, mit sich selbst wertschätzend umzugehen. Ebenfalls etwas, das durch Dauerkritik, der Anstrengung ständiger Fehlervermeidung und unrealistischem Leistungsanspruch oft verlernt wurde.

Wer als Führungskraft lernt, sowohl die Entwicklung des Arbeitsplatzes wie die Entwicklung des Bewerbers richtig einzuschätzen, sich gleichzeitig auch ständig in seiner eigenen Persönlichkeit weiterentwickelt, der findet dauerhaft die passenden Mitarbeiter und kann erwartungsfroh in die Zukunft blicken.

Begleitartikel zum Vortrag „Recruiting today“, Personal Expo 2016

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